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Die M222/SGP222
Aufstieg und Fall einer österreichischen Luftfahrtproduktion
1957 - Zwölf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges entschloss
sich die verstaatlichte Firma Simmering - Graz - Pauker AG unter ihrem
Direktor Dipl.-Ing. Otto Rieger, ein Flugzeugprogramm zu den anderen bekannten
Produktionen mit aufzunehmen.
Umso mehr, als der internationale Trend in die Richtung privater, zweimotoriger
Kleinflugzeuge wies. Da bei Flügen mit ILS (Instrumenten Landing- System)
die Sicherheit besonders wichtig ist, hatte man bei der Konstruktion Wert
auf ein zweimotoriges Modell mit einziehbarem Fahrwerk und Bugrad gelegt.
Nun gab es bereits einen Entwurf des Linzer Flugzeugbauers Ing. Meindl.
Gegenüber anderen europäischen Flugzeugtypen ähnlicher Art, erschien dieser
Plan am kostengünstigsten zu sein. So wurde Ing. Meindl für diese Produktion
als Oberingenieur bei SGP engagiert.
Die Konstruktionsarbeiten begannen im Oktober 1957 in der Mariahilfer
Straße und die Produktion im Raxwerk in Wiener Neustadt. Schließlich war
1959 das erste Flugzeug M 222V1 "Flamingo" fertig. Der erste Überlandflug
erfolgte am 6. Juni 1959 nach Wien-Schwechat durch Herrn Ing. Wiesinger.
Der Presse wurde die Maschine am 9. Juni 1959 am Flugplatz Wien-Aspern
durch Ing. Brückner zum ersten Mal vorgestellt. Ing. Wiesinger flog in
den nächsten Tagen von Schwechat über München und Straßburg zum Luftfahrtsalon
1959 nach Paris. Die internationale Presse erwähnte dabei lobend die gute
Linienführung der Konstruktion. Der Rückflug über Stuttgart und Augsburg
nach Schwechat wurde am 21. Juni durchgeführt.
Danach wurde die Serie der Einflüge fortgesetzt. Zuerst wieder mit Ing.
Brückner und anschließend mit AUA Pilot Eduard Stefl. Am 2. August flog
dieser dann zusammen mit dem SGP-Mechaniker Leopold Schwingenschlögl.
Beim Landeanflug mit einem Motor, versuchte Stefl über den stehenden Motor
eine Kurve einzuleiten. Die Maschine kippte in eine Trudelbewegung, aus
der Stefl und Schwingenschlögl nicht mehr herauskamen. Beide waren sofort
tot.
Da die Unfallursache eindeutig menschliches Versagen war, wurden zwei
weitere 222 Versuchsmaschinen gebaut. Die dritte Maschine M 222V3 wurde
schließlich sowohl im Mai 1962 und im Pariser Salon im Juni 1963 vorgestellt.
Um die Maschine nach den gültigen USAVorschriften zu bauen, wurde der
Segelflugzeugkonstrukteur der "Standard Austria" Ing. Rüdiger Kunz engagiert.
Sowohl die Konstruktion als auch optisch wurde die M 222 von Ing. Kunz
fast neu gestaltet. Ab nun hieß dieser vierte Prototyp SGP 222 VS. Am
15. Februar 1964 wurde die Maschine vom Österreichischen Luftamt zugelassen.
Die US-Typengenehmigung wurde durch die FAA am 3. März 1964 erteilt. Anschließend
erhielt die V4 das Kennzeichen OE - FEC. Schließlich wurde die Typenbezeichnung
auf SGP 222A geändert. Alle Bedingungen für einen Reihenbau waren erfüllt
und Verträge für den Verkauf der Maschinen fast abgeschlossen. Ende 1964
wurde eine neue Firmenleitung der SGP bestellt, die die gesamte Produktion
einstellte. Die Prototypen, die vor der Serienproduktion standen, wurden
zersägt und verschrottet. Sicher spielten mehrere Probleme eine Rolle,
wie Termin- und Lieferschwierigkeiten, wobei es heute, nach so vielen
Jahren, kaum möglich ist, die Dinge im Zusammenhang zu bewerten.
Erst 1981, also 17 Jahre später, gelang es eine allerdings private österreichische
Flugzeugproduktion zu gründen: die Diamond Aircraft in Wiener Neustadt.
Austro Classic Ausgabe 1/08
Text und Photos: Erich
Fries
Literatur und Bilder: FLUG-INFORMATIONEN 45. Jahrgang, Reinhard Keiml: Simmering-Graz-Pauker
AG / Meindl M 222 (1959-1964); Wolfgang M Buchta
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