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Aktuelle Ausgabe: April/Mai | ||||||
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Das Alfa Tier Giulia, Giulietta, Duetto oder Bertone Coupe. Kleine sportlich Fahrzeuge,
das war seit jeher die Kernkompetenz von Alfa Romeo. Ein Über-Alfa mit
Achtzylinder- Rennmotor sollte den Griff nach den Sternen ermöglichen:
der Montreal! 1953 steigt die Traditionsmarke Alfa Romeo offiziell aus dem Rennsport aus und Anfang der sechziger Jahre beginnen die angestaubten Lorbeerkränze in der Ruhmeshalle von Portello, ihre welken Blätter zu verlieren. Etliche Privatfahrer mühen sich redlich, mit den kleinen Vierzylinder-Giuliettas das Mailänder Wappen hochzuhalten. Die glorreichen Siege auf den großen Rennstrecken dieser Welt sind nur noch Erinnerungen auf mittlerweile vergilbten Fotografien. Ende 1963 gibt Chefingenieur Oratio Satta-Puliga endlich grünes Licht für das Projekt 105.33, ein reines Wettbewerbsfahrzeug, welches in der neuen Sportprototypen-Klasse starten soll. Zum ersten Mal seit dem Tipo 512 von 1940, der durch den Krieg nie offiziell zum Einsatz kam, entsteht auf den Reißbrettern von Alfa ein Mittelmotor- Rennwagen. Trenta Tre, der motorische Urahn. Ende 1965 ist das erste Auto
fertig und bekommt den brandneuen 1600er-Vierzylinder mit 170 PS, der
für den TZ 2 entwickelt wurde. Gleichzeitig arbeitet man bei Alfa an einem
neuen Achtzylindermotor für die großen Hubraumklassen. Das Triebwerk hat
einen Zylinderwinkel von 90 Grad und sieht aus, wie eine Verbindung aus
zwei 1300er Giulietta Vierzylindern. Giuseppe Busso, Chef Motoren-Mann
bei Alfa, greift bei dem Achtzylinder auf die bewährte Ventilsteuerung
seines Giulietta- Motors zurück. So krönen je zwei oben liegende Nockenwellen
die beiden Zylinderbänke. Doch schon bald muss sich der Konstrukteur von
seiner Neuschöpfung verabschieden, denn inzwischen hat sich Alfa-Boss
Luraghi entschlossen, in Portello wieder eine neue Rennabteilung aufzumachen.
Alles, was Rennsiege verspricht, wandert nun dorthin. Chefingenieur Orazio
Satta- Puliga und sein Motorenmacher Busso widmen sich wieder dem Alltagsgeschäft.
Der Einfachheit halber würfen die Mailänder nicht ein neues Team von Renntechnikern
zusammen, sondern kaufen es gleich im Stück. Die kleine Tuningschmiede
Autodelta geht 1966 in den Besitz von Alfa Romeo über und wird in eine
GmbH umgewandelt und Carlo Chiti als Generaldirektor eingesetzt. Der Weg nach Montreal. Völlig unabhängig von der Achtzylinder-Euphorie
in Portello greift der geistige Vater des Montreal zu seinem Handwerkszeug.
Mit Bleistift wirft Marcello Gandini im Designbüro von Nuccio Bertone
seinen Alfa-Traum auf den Zeichenblock. Ein hinreißend flaches Sportcoupe
blinzelt unter verschlafenen Lamellen-Lidern hervor. Ganz im Stil der
ausgehenden Sechziger ist es eine verspielte Vision von futuristischer
Stromlinie und nostalgischer Hüftschwung-Eleganz. Vielleicht ein wenig
schwülstig, aber Prototypen sind dazu da, um von Buchhalter-Rotstiften
verwässert zu werden, also lieber mehr als weniger auftragen. Und weil
Geschwindigkeit auf dem Papier allein durch den begnadeten Strich eines
echten Meisters entsteht und nicht durch verbrennendes Benzin-Luftgemisch,
nehmen Gandini und Bertone einfach Maß an der Giulia. Sie entwerfen nämlich
ein Coupe für die Giulia- Baureihe, gedacht als Nachfolger des sehr erfolgreichen
GT Junior. Meister Bertone ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die
GT- Reihe zu den absoluten Dauerbrennern des Alfa-Programms werden sollte,
und wer sägt schon einen Bestseller ab? Monti, bitte warten! Für Spekulationen bleibt der Fachpresse mehr
Zeit als üblich. Drei Jahre vergehen zwischen der Präsentation in Montreal
und dem Start der Serienproduktion 1970. Verschiedene Karosserieschneider
tun ein übriges, um die Gerüchteküche aufzuheizen. Auf Basis des 33- Stradale
Chassis entstehen weitere Prototypen: Der "Carabo" von Bertone und der
"P 33 Roadster" von Pininfarina, beide 1968, das "P 33 Coupe" von Pininfarina
und der "Iguana" von Giugiaro, beide 1969. In der Presse mussten wieder
Probleme mit dem vermeintlichen Mittelmotor herhalten, um die Terminnot
des Montreal zu erklären. Stattdessen steckt der Montreal in einer hausinternen
Warteschleife. Frischer Wind. Während die Technik den Ingenieuren noch einiges
an Kopfzerbrechen bereitet, findet der Karosserieentwurf auch noch nach
drei Jahren ungeteilte Zustimmung. Bis auf ganz wenige Retuschen entspricht
die Serie den Prototypen von 1967. Und kein Buchhalter gebietet den Designern
Einhalt, als es um kostspielige Detaillösungen geht. Der Instrumententräger
aus damals hochmodernen Hartplastik scheint unmittelbar einer frühen Folge
von Raumschiff Enterprise entsprungen zu sein. Nach einiger Gewöhnung
kann man sogar mit einer gewissen Sicherheit den Tankinhalt schätzen.
Eine filigrane Zierleiste tritt an die Stelle einer Stoßstange. Das ist
auch der Grund dafür, dass originale "Monti- Nasen" nicht für viel Geld
und schöne Worte aufzutreiben sind. Zum Markenzeichen des Montreal werden
jedoch seine verschlafen blickenden Doppelscheinwerfer unter den typischen
Lamellen. Geht das Licht an senken sich die Lamellen mittels einer genial
komplexen Konstruktion nach unten und geben den Blick frei. Dass das Gesamterscheinungsbild
des Montreal ein wenig an den Lamborghini Miura erinnert, ist nicht weiter
verwunderlich, denn schließlich stammt auch der erste Mittelmotor-Lambo
aus der Feder des Bertone- Mitarbeiters Marcello Gandini. Austro Classic Ausgabe 2/08
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Text: Gernot Kronberger
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Datum der letzten Änderung: 30.03.2008 by - © 2000-2008 - site by w & web-idee. |