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Ich rolle - seit 80 Jahren

Hannes G. Unterberger und Wolfgang M. Buchta werfen einen Blick auf eine schwedische Erfolgsstory von 1927-2007.

Dass Volvo heuer sein 80-Jahr-Jubiläum feiert, ist eigentlich wieder ein Beweis für die Seriosität dieser Qualitätsautomarke, erst mit Produktionsbeginn zu zählen anzufangen, denn, wenn man es als akribischer Historiker betrachtet, ist die Firma eigentlich älter...

Am Anfang war das Kugellager. Am 22. Juni 1915 gründete die Svenska Kullagerfabriken (SKF) die Tochtergesellschaft "Volvo", ausgestattet mit einem Grundkapital von 200.000 Kronen. Der Name "Volvo" wurde als Warenzeichen eingetragen für "Lager, speziell Kugel- und Rollenlager, Werkzeugmaschinen, Kraftübertragungen, Automobile, Fahrräder, Schienenfahrzeuge, Transportausrüstung und -systeme aller Typen, in Verbindung von Teilen für diese Art von Produkten".
Die Produktion von "Volvo"-Rillenkugellagern begann zwar schon 1915, lässt sich aber in der Literatur (SKF-Katalog 1918) erst später nachweisen, und endet 1919 schon wieder, als SKFGeneraldirektor Björn Prytz beschloss, dass alle Kugellager unter der Marke SKF verkauft werden sollen. "Volvo" blieb also von 1919 bis 1926 nur als leere Firmenhülle bestehen.
Doch der lateinische Ausdruck "Volvo" ("ich rolle") würde natürlich ideal zum neuen Produkt Automobil passen, dachten sich die Herren Assar Gabrielsson, SKF-Verkaufsleiter und Gustaf Larson, von 1917 bis 1920 bei SKF als Ingenieur tätig, schon im August 1924. Die Gründungsurkunde von Volvo ist die "Överenkommelse" (Übereinkommen) von Assar Gabrielsson und Gustaf Larson vom 16. Dezember 1925: Deren erster Paragraph lautet auf Deutsch "Ich, Gabrielsson, habe beschlossen, in Schweden Automobile herzustellen und biete G. Larson an, bei diesem Unternehmen als Ingenieur mitzuarbeiten. Ich, Larson, nehme dieses Angebot an." Damit wäre der 16. Dezember 1925 der Geburtstag der Automobilfirma Volvo ...
Inzwischen reiften die Pläne für das erste Automobil. Am 19. August 1926 trafen sich Larson und Gabrielsson mit dem SKF-Vorstand und keine zwei Tage später wurde ein Vertrag unterzeichnet: SKF holt quasi die "AB. Volvo" aus der Schublade, stattet sie mit 2.000.000 Kronen Kapital aus und setzt Gabrielsson zum Generaldirektor ein. Weitere Anteile wurden von privaten Anlegern gezeichnet. Am 27. Oktober 1926 bezog Volvo die leer stehenden SKF-Gebäude auf Hisingen, liebevoll als "Nordkulan" bezeichnet. Schon im Sommer 1926 wurden die ersten Prototypen bei Galco in Stockholm produziert und sorgten für Aufsehen, als drei davon "auf Achse" in das neue Volvo-Werk überführt wurden.

Ein Cabrio für den schwedischen Winter. Die Karosserie des neuen Autos wurde vom bekannten schwedischen Landschaftsmaler Helmer MasOlle entworfen. Auch das Volvo-Logo stammt von ihm: Das alte schwedische Symbol für Eisen wurde in die Kühlermaske integriert. Alle zehn Prototypen - neun davon vom Type ÖV 4 ("öppen vagn, fyrcylindrig" - offener Wagen mit vier Zylindern) und einer vom Type PV 4 ("person vagn, fyrcylindrig" - geschlossener Wagen mit vier Zylindern) - hatten die unterschiedlichsten Spitznamen (Meerjungfrau oder Kobold) und waren im Sommer 1926 fahrfertig. Der schwarz lackierte Namensgeber des ÖV 4 wurde am 25. Juli 1926, dem Jakobstag, montiert und wurde folgerichtig "Jakob" genannt.
Am Gründonnerstag, den 14. April 1927, rollte der erste Serien ÖV 4 (laut der Legende mit falsch montiertem Differential, er hatte drei Rückwärtsgänge und nur einen Vorwärtsgang) vom Band: Der Vierzylindermotor hatte einen Hubraum von 1.940 ccm, war nur 4,9:1 verdichtet und leistete 28 PS bei 2.800 U/min. Dies verhalf dem Jakob zu einer Spitzengeschwindigkeit von 90 km/h. Die Reisegeschwindigkeit des offenen Fünfsitzers lag bei 60 km/h.
ÖV 4 und die, infolge des doch nicht so cabriotauglichen Klimas Schwedens folgerichtig nachgeschobene, geschlossene Limousine PV 4 verkauften sich ganz gut. In den Jahren 1927 bis 1929 wurden 302 ÖV 4 und 694 PV 4 hergestellt und auch verkauft. Trotzdem schrieb Volvo nach wie vor rote Zahlen und die Verantwortlichen bei SKF fragten sich, ob mit dem Automobilbau jemals Gewinne zu machen seien. Björn Prytz nahm Kontakt mit dem amerikanischen Industriellen Charles Nash auf und die Verhandlungen waren schon weit fortgeschritten, als Gabrielsson anbot, sein gesamtes bisher verdientes Geld, 220.000 Kronen, zu investieren, um Volvos Unabhängigkeit zu retten. Wie wir wissen ging Pryx auf den Vorschlag ein und im September 1929 erzielte Volvo erstmals einen Überschuss von 1.579 Kronen...

Lesen Sie weiter in der Ausgabe 5/07.

Text + Fotos: Hannes G. Unterberger + Wolfgang M. Buchta


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Datum der letzten Änderung: 30.03.2008 by - © 2000-2008 - site by w  &  web-idee.